Zwei weniger bekannte Atemübungen, die in unter 5 Minuten etwas verändern können

Du sitzt vor dem Bildschirm, die Schultern ziehen hoch, der Brustkorb fühlt sich eng an. Gedanken rennen los wie ein Zug ohne Bremsen. In solchen Momenten klingt „Atme einfach" wie ein leerer Satz, weil dein Körper längst in Alarmbereitschaft ist.

Published on: 12.2.2026
Author: Andy Nadal

Du sitzt vor dem Bildschirm, die Schultern ziehen hoch, der Brustkorb fühlt sich eng an. Gedanken rennen los wie ein Zug ohne Bremsen. In solchen Momenten klingt „Atme einfach" wie ein leerer Satz, weil dein Körper längst in Alarmbereitschaft ist.

Die gute Nachricht: Du brauchst keine langen Meditationen, keine perfekte Routine und keinen stillen Raum, um spürbar runterzufahren oder wieder klarer zu werden. Pausa ist aus genau so einem Bedarf entstanden, aus sehr intensiven Angst-Momenten, in denen bewusste Atmung plötzlich der schnellste Weg zurück in etwas Ruhe war. Nicht kompliziert, sondern machbar.

In diesem Beitrag lernst du zwei weniger bekannte Atemübungen, wann sie passen, wie du sie sicher machst, und wie du sie in 2 bis 5 Minuten einsetzt, ohne daraus ein neues Projekt zu machen. Wenn du generell mehr alltagstaugliche Atemimpulse suchst, findest du im Blog zu bewusster Atmung weitere praktische Artikel.

Bevor du startest, mach diese zwei kurzen Checks für Sicherheit und Wirkung

Manche Atemtechniken fühlen sich überraschend intensiv an. Das ist kein Fehler, sondern ein Hinweis: Du beeinflusst gerade dein Nervensystem. Deshalb gilt zuerst: Starte im Sitzen (oder im Liegen), besonders bei stärkeren Übungen. Und hör früher auf, als du denkst, nicht später.

Wichtig ist auch, was du nicht machst. Keine Atemexperimente im Wasser, nicht beim Autofahren, nicht beim Radfahren, nicht im Stehen, wenn du zu Schwindel neigst. Bei zyklischer Hyperventilation (die erste Übung weiter unten) gilt extra Vorsicht: Meide sie, wenn du schwanger bist, häufig ohnmächtig wirst, oder wenn du Herzprobleme, Krampfanfälle oder ähnliche Risiken hast. Im Zweifel klär's medizinisch ab.

Halte dir außerdem eine einfache Idee vor Augen: Atmung ist Biologie, kein Wettkampf. Du jagst keinen Rekord. Du gibst deinem Körper nur ein anderes Signal. Manchmal ist „ein bisschen besser" schon die ganze Magie.

Setz deine Basis in 20 Sekunden, damit du den Effekt merkst

Bevor du beginnst, nimm dir einen Mini-Check. Er ist simpel, aber er macht den Unterschied, weil du nachher nicht raten musst, ob sich etwas verändert hat.

Mach das hier:

  1. Bewerte deinen Stress von 1 bis 10 (Bauchgefühl reicht).
  2. Spür kurz hin, wo die Spannung sitzt (Kiefer, Schultern, Brust, Bauch).
  3. Atme dann drei Atemzüge ganz normal, ohne etwas zu ändern.

Mehr brauchst du nicht. Diese 20 Sekunden geben dir einen „Vorher"-Punkt, damit du das „Nachher" wirklich wahrnimmst.

Die goldene Regel: Hör früh auf, nicht spät

Es gibt klare Stoppsignale. Wenn Kribbeln zu stark wird, dir schwindlig ist, du Druck in der Brust spürst, oder Panik hochkommt, brich ab. Nicht diskutieren, nicht durchbeißen.

Der Reset ist immer derselbe: langsam durch die Nase ein, länger ausatmen als einatmen. Schultern sinken lassen, Kiefer lösen. Ein paar Schlucke Wasser helfen oft, weil der Körper wieder „Alltag" spürt.

Intensität wirkt manchmal schnell, aber Ruhe entsteht durch Wiederholung. Du trainierst Vertrauen, kein Durchhalten.

Weniger bekannte Übung: Zyklische Hyperventilation für einen schnellen Reset, wenn du festhängst

Zyklische Hyperventilation klingt dramatisch, ist aber im Kern ein kurzes Protokoll: ein paar schnellere Atemzüge, dann eine angenehme Atempause, danach ein ruhiger „Erholungsatem". Viele kennen ähnliche Abläufe aus Wim-Hof-artigen Routinen, aber hier geht's nicht um Härte. Es geht um einen klaren Schnitt, wenn dein Kopf in Schleifen hängt.

Praktisch ist das nach einem stressigen Meeting, nach einem Konflikt, oder wenn du merkst, dass du seit einer Stunde „nur noch funktionierst". Diese Übung ist kein Daily-Habit für zehn Mal am Tag. Nutz sie gezielt, wie eine Reset-Taste.

Sie passt auch zu der Idee, die Pausa stark macht: Du musst nicht meditieren können. Du brauchst etwas, das in echten Tagen funktioniert, kurz, geführt, und ohne großes Setup.

So machst du eine einfache Runde (2 bis 3 Minuten)

Mach das bitte sitzend oder liegend. Und bleib locker, besonders im Nacken und in den Schultern.

  • Setz dich hin oder leg dich hin, eine Hand auf den Bauch hilft.
  • Atme 20 bis 30 Mal etwas schneller, ein durch die Nase oder den Mund, aus locker (nicht pressen).
  • Nach dem letzten Ausatmen hältst du die Luft mit leeren Lungen, so lange es angenehm bleibt, bis der erste deutliche Atemimpuls kommt.
  • Dann nimmst du einen tiefen Einatemzug und hältst ihn 10 bis 15 Sekunden.
  • Danach 30 bis 60 Sekunden normal atmen, am besten ruhig durch die Nase.

Wenn du dich benommen fühlst, mach früher Schluss. „Angenehm fordernd" ist okay, „zu viel" ist ein klares Nein.

Wann sie hilft, und wann du sie lässt

Diese Technik hat klare Einsatzmomente, aber auch klare Grenzen.

  • Hilft oft bei: mentalem Nebel, emotionaler Überladung, dem Gefühl „ich komm hier nicht raus".
  • Lass sie weg bei: Angst vor Körperempfindungen, starken Panik-Spitzen, oder wenn Schwindel dich schnell triggert.
  • Nie machen: im Wasser, beim Fahren, im Stehen, oder in Situationen mit Sturzrisiko.

Wenn du gerade sehr ängstlich bist, start lieber mit langsameren Mustern (zum Beispiel längere Ausatmung). Danach kannst du diese Übung vorsichtig testen.

Weniger bekannte Übung: Die Energie-Leiter, um den Kopf ohne Koffein zu wecken

Manchmal brauchst du keine Beruhigung, sondern ein sanftes Hochfahren. So wie du ein Fenster in einem stickigen Raum öffnest. Die Energie-Leiter ist genau das: ein ruhiger Rhythmus, der pro Runde um eine Sekunde wächst. Kein Hecheln, kein Druck, nur glatte, leise Atemzüge, idealerweise durch die Nase.

Die Methode ist klar: Du startest mit 4 Sekunden ein, 4 Sekunden aus. Dann 5 und 5. Dann 6 und 6. Dieses schrittweise Verlängern fühlt sich für viele stabiler an als sofort „langsam atmen". Es gibt deinem Gehirn eine einfache Aufgabe, und dein Körper folgt.

Die genaue Leiter (mit einfachem Stopp-Punkt)

Atme möglichst in Bauch und Rippen, nicht nur in die Brust. Die Ausatmung bleibt weich, als würdest du einen Spiegel nur leicht anhauchen.

So sieht eine Runde aus:

  1. 4 Sekunden ein, 4 Sekunden aus
  2. 5 Sekunden ein, 5 Sekunden aus
  3. 6 Sekunden ein, 6 Sekunden aus
  4. 7 Sekunden ein, 7 Sekunden aus
  5. 8 Sekunden ein, 8 Sekunden aus

Du musst nicht bis 8. Wenn sich 6 oder 7 schon „voll" anfühlt, stopp dort. Danach ruhst du 30 Sekunden und atmest normal weiter. Genau in dieser Pause merkst du oft: Der Kopf wird weiter, der Blick wird klarer.

Die besten Momente, damit sie wirklich hilft

Diese Übung wirkt am besten, wenn du müde bist, aber nicht überdreht. Gute Zeitpunkte sind der Durchhänger am Nachmittag, vor Sport, vor konzentrierter Arbeit, oder nach dem Essen, wenn dein System langsam wird.

Direkt vor dem Schlafen passt sie meist nicht, weil sie eher wach macht. Während einer Panik-Spitze kann sie auch schwierig sein, falls längere Einatmungen dich unruhig machen. Dann wechsel auf ein Muster mit längerer Ausatmung, bis der Körper wieder Sicherheit spürt.

Mach's zur Gewohnheit, ohne dass es sich wie Hausaufgaben anfühlt

Die größte Wirkung kommt selten von „mehr". Sie kommt von besser platziert. Eine kleine Pause am richtigen Punkt kann deinen Tag stärker drehen als eine lange Session, die du eh verschiebst.

Pausa baut auf genau diesem Prinzip auf: kurze, geführte Atemübungen, die man nutzt, wenn man sie braucht. Viele bleiben dran, weil Streaks helfen, ohne Druck zu machen. Und ja, diese zwei Bonus-Übungen kannst du in Pausa während der Atem-Journey freischalten, wenn du Lust auf Struktur und Anleitung hast.

Such dir für diese Woche nur einen Auslöser. Zum Beispiel nach einem Meeting, vor dem E-Mail-Check, oder beim Nachmittagsloch. Dann mach genau eine Runde, und geh weiter.

Ein winziger 7-Tage-Plan, der realistisch bleibt

  • Tag 1 bis 2: Energie-Leiter bis 6/6, danach 30 Sekunden Pause.
  • Tag 3 bis 4: Zyklische Hyperventilation, kürzer starten (15 bis 20 Atemzüge).
  • Tag 5 bis 7: Wähle je nach Tag, Energie für Antrieb, Reset für Kopf-Loop.

Schreib nach jeder Übung eine Zeile: „Vorher: ___, Nachher: ___." Das reicht, um Muster zu sehen.

Fazit: Zwei Tools, kein Test

Zyklische Hyperventilation kann dir einen schnellen Reset geben, wenn du festhängst. Die Energie-Leiter bringt Wachheit, ohne dass du zur nächsten Tasse greifen musst. Beide sind Werkzeuge, keine Mutprobe.

Starte sanft, bleib konsequent, und wähle die Übung, die zur Situation passt (Reset oder Energie). Wenn du dich psychisch stark belastet fühlst, hol dir bitte professionelle Hilfe, dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Atme, mach eine Pause, dann geh weiter.

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